Juni 2018: Anfänge

Ich weiß noch, wie Nora und mir vor ein paar Jahren bei einem Email Austausch die Idee zum Akasha, wie Ihr es heute kennt, kam. Damals war ich bei meiner ersten Feldforschung in den Darjeeling Hills. Im Himalaya fühlte ich mich zu Hause. Die Ethnographie gab mir Sinn. Mir graute davor, in die Berliner Überflussgesellschaft zurückzukehren, in der es unendlichen Raum für Leistung gibt aber keinen für Erholung. In meiner Wahrnehmung war das vielfältige Yogaangebot nichts anderes als eine Bühne, um seinen gemeißelten Körper in teuren hi-tech Outfits zur Schau zu stellen. Nach neun Monaten in entlegenen Dörfern im bergigen Nordosten Indiens fühlte ich mich überfordert von dem, was mich als Yogaschüler und -lehrer erwartete.

Nora war schon viel früher aufgefallen, dass die Übenden sich regelmäßig weit über ihre Kapazitäten hinaus strapazierten. Sich oftmals schadeten und manchmal der Yogapraxis den Rücken kehren mussten weil sie den Erwartungen - ihren eigenen und denen der Lehrer - nicht gerecht wurden.

Gemeinsam erschufen wir eine Vision, ein Yogastudio zu gründen, in dem die restaurative Komponente der Praxis im Vordergrund stehen würde. Einen Ort, an dem sich unabhängig von Leistung jeder wohlfühlen würde. Über viele Monate haben wir zunächst in Nora’s Ayurvedastudio in der Florastraße kleine Klassen aufgebaut, bis wir die Räume in der Hermann-Hesse-Straße fanden. Im Akasha fühle ich mich zu Hause, unsere Arbeit gibt mir Sinn.

In der Zwischenzeit habe ich meine Promotion über Bhutan begonnen und ein Stipendium erhalten, dass es mir ermöglicht meine ethnografische Arbeit in diesem geheimnisvollen Königreich im Himalaya fortzusetzen. Diese wundervolle Chance hat mich allerdings auch gezwungen, meine Rolle im Akasha zu hinterfragen. Eine Doktorarbeit, noch dazu verbunden mit langen Feldforschungsaufenthalten am anderen Ende der Welt, ist ein immenses Projekt. Und ich Jemand, der seine Ressourcen nicht auf mehrere Projekte verteilen kann. Ich muss “da” sein, wenn die Inspiration mich besucht. Ich muss “da” sein, wenn es darum geht die administrativen Dinge zu erledigen. Ich muss “da” sein, um die Rückschläge anzunehmen. Um diese Doktorarbeit schreiben zu können, muss ich Willens sein, sie zur Priorität zu machen.

Ich muss das Akasha loslassen um frei zu sein für die Forschung.

Ich verabschiede mich also auf unabsehbare Zeit vom Akasha. Wenn alles läuft, wie geplant, werde ich bis 24.Juni weiter unterrichten bevor ich meine Klassen in Noras Hände übergebe.

Ich verneige mich in tiefer Dankbarkeit vor Nora und dem Raum, den wir geschaffen haben und vor Euch, ohne die es diesen Raum nicht gäbe.

Namaste
Azade

Wir wünschen euch allen einen wunderbaren Sommer mit viel Zeit zum draußen sein, lauen Nächten, schönen Erlebnissen und der Leichtigkeit des Sommers!

Azade und Nora

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