Dezember 2018: Der Weg ist das Ziel

Der Weg ist das Ziel

Jeder kennt dieses Sprichwort und doch ist es eines der häufigsten missverstandenen Zitate unserer Zeit. Ein Ziel zu erreichen bedeutet auch immer ein Ende zu erreichen - wir arbeiten auf ein Ziel hin, ohne uns den Weg bewusst zu machen oder uns des Weges dahin bewusst zu werden. So haben wir einen übertriebenen Zielfokus mit all unseren Erwartungen und Vorstellungen. Und am Ende erwartet uns häufig entweder ein enttäuschendes Resultat, da es nicht unseren Erwartungen entspricht oder wir brechen frustriert unsere Bemühungen ab, weil das Ziel unerreichbar scheint. Wir klammern also entweder an detaillierten Vorstellungen, die häufig nicht realistisch sind oder wir haben keinen Plan, wie wir das Ziel erreichen können.
Eine Zielverwirklichung soll bestimmte Erwartungen erfüllen. Häufig sind wir uns der Erwartungen aber nicht bewusst. Wir kennen das alle – wir wollen etwas Bestimmtes unbedingt haben oder tun. Vielleicht ist es teuer oder anderweitig schwer erreichbar und so arbeiten wir hart darauf zu. Und wenn wir es dann erreicht haben, hält die Befriedigung nicht lange vor. Und wir vermissen ein neues Ziel. Gleichzeitig entgehen uns auf dem Weg zur Zielerfüllung all die kleinen Dinge, die diesen Weg begleiten. Manchmal sind es nur kleine Situationen, manchmal sind es auch Chancen.
Und genau hier liegt der Sinn des Sprichwortes „Der Weg ist das Ziel“ – diese kleinen Dinge am Rande des Weges zu sehen, offen dafür zu sein, sie zu nutzen und manchmal das Ziel auch Ziel sein zu lassen.

„Der Weg ist das Ziel“ – ein Sprichwort, dass sich auf viele Bereiche anwenden lässt. Im Yoga z.B. jagen viele einer bestimmten Asana hinterher, die sie unbedingt können wollen oder sie haben eine vermeintlich perfekte Asana im Sinn. Aber auch hier gilt das Sprichwort – entscheidend im Yoga ist nicht die perfekte Asana sondern die Art und Weise, wie wir den Weg dahin gehen. Schaffen wir es, den Weg bewusst zu gehen, uns dabei zu spüren, unsere Verhaltensmuster zu erkennen, wahrzunehmen, wie und wo der Körper und unser Geist sich auf dem Weg beginnen zu öffnen, können wir die Asana als mehr sehen als nur eine äußere Form, die wir einnehmen? Das ist im Yoga der Weg.

Im Alltag befinden wir uns gerade in einer Zeit, die prädestiniert ist für unsere leidliche Zielfokussierung – die Vorweihnachtszeit. Fast alle Familien kennen den Stress der Vorbereitung dieses großen Festes parallel zum Alltag.
Eigentlich war diese Zeit ursprünglich eine Zeit der Besinnung, des sich bewusst werden, der Konzentration auf das Wesentliche, der Reduktion. Heute ist es die Zeit von Stress, Hektik, übermäßigem Konsum und hoher Zielerwartungen an die Feiertage überhaupt.
Das, was die Weihnachtszeit eigentlich ausmacht – familiäres und freundschaftliches Beisammen sein, Kerzenlicht und Weihnachtsdüfte, stille Tage zu Hause in der Wärme während draußen ungemütliches Wetter ist – findet entweder aus Zeitmangel nicht statt oder wird nicht wahrgenommen in der Hektik der großen Vorbereitungen. Und vielleicht ist es ein guter Vorsatz, dieses Jahr die hohen Erwartungen an das Fest der Feste zu überprüfen, zu reduzieren und einen Fokus auf den Weg zum Fest zu legen statt auf das Fest selbst.

Der Weg ist das Ziel – in diesem Sinne wünschen wir euch eine ruhige und besinnliche Vorweihnachtszeit!

Nora und Azade

Zurück zur Newsletterübersicht