Januar 2019: Geduld

Die ersten Wochen dieses Jahres haben von mir eine Fähigkeit verlangt, die als eine Tugend gilt und vielleicht deshalb so schwer umzusetzen und so selten zu finden ist – GEDULD.
Geduld ist die Fähigkeit, auf etwas zu warten oder etwas Unliebsames oder schwer Erträgliches zu ertragen. Dieser kurze Satz beinhaltet doch so vieles, das wir im ersten Moment gar nicht mit Geduld verbinden. So heißt Geduld auch Verzicht. Meine Verletzung z.B. verlangt von mir den Verzicht auf meine eigene Yogapraxis. Im ersten Moment für mich unvorstellbar - ist Yoga doch ein Lebensbestandteil von mir. Noch im Dezember habe ich im Brustton der Überzeugung gesagt, dass ich mir mehr als zwei Wochen ohne Yoga nicht mehr vorstellen kann.

Das Gegenteil von Geduld ist die Ungeduld. Sie ist ein ständiger Begleiter unseres Alltags. Jeder von uns kennt diese nervigen Momente, in denen die Bahn nicht pünktlich kommt; das Auto vor uns zu langsam fährt; der Termin beim Arzt schon lange im vollen Wartezimmer verstrichen ist; Partner, Kinder oder Freunde nicht zur verabredeten Zeit kommen. Und genauso kennen viele das schwere sich arrangieren oder ertragen von Zeiten des Wartens auf Ämtern oder das noch schwerere Ertragen einschränkender Situationen wie Krankheit oder Verletzung.

Doch wenn wir genauer Hinschauen, können wir erkennen, dass Geduld uns seit unserer Geburt begleitet und wohl auch bis zu unserem Tod an unserer Seite bleiben wird. Es ist also eine Fähigkeit, die bereits in frühen Jahren geschult werden kann (und muss) und jederzeit in unserem Leben entwicklungsfähig ist.
Die Frage, die sich stellt ist „Was steckt hinter unserer Ungeduld?“. So hatte ich in den letzten Wochen einiges an Zeit, mir diese Frage zu stellen und ihr nachzugehen. Im Sinne des Yoga steht hinter der Ungeduld oft die Unfähigkeit im Hier und Jetzt zu sein. Wir sehen z.B. unsere Zukunftsvorstellungen gefährdet. Aber unsere Zukunftsvorstellungen sind eine Illusion, deren Verwirklichung in keinster Form garantiert ist. Ein anderer Grund für Ungeduld ist Angst – die Angst etwas zu verpassen, nicht dabei sein zu können oder im schlimmsten Fall die Angst vor dem Tod. Angst und die Unfähigkeit im Hier und Jetzt zu sein, beschäftigt unseren Geist und wir sind nicht in der Lage die Realität, das Hier und Jetzt wahrzunehmen.

Das oberste Ziel des Yoga ist die Beruhigung des Geistes. Regelmäßig über einen langen Zeitraum praktiziert, gibt Yoga die Möglichkeit, diese Ruhe mit in den Alltag hinüber zu nehmen. Für mich hieß das nach dem ersten Schreck und Hadern mit der Situation das die Ruhe zurückkehrte. Ich habe die „gewonnene Zeit“ des nicht aktiven körperlichen Yoga für die Beschäftigung mit den anderen Wegen des Yoga genutzt – ich habe meditiert, über Yogaaspekte ausführlich nachgedacht und mich mit einem neuen Thema begonnen zu beschäftigen (dem Buddhismus). Und so habe ich aus dieser anfänglich für mich schwer zu ertragenden Situation etwas gelernt und mitgenommen – Geduld ist eine Frage des sich Einlassens auf das was ist. Und ich hoffe, dass mir diese Fähigkeit längere Zeit erhalten bleibt.

Und vielleicht deswegen ist der Heilungsprozess gut voran gegangen, so dass ich ab Mitte Februar wieder auf meinen beiden Füßen stehen werde. So sind Hilfestellungen im Yoga und große Massagen im Ayurveda möglich.

Im Sinne des oben ausgeführten wünsche ich euch ausreichend Geduld mit dem Berliner Winter
Nora

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